23.01.2026

Dringend gesucht: „Die richtigen Leute an der richtigen Stelle“

Group of young students in technical vocational training with teacher, the lesson in technical college. Education and technology concept.

IHK zieht Bilanz des Ausbildungsjahrs – Rückgang bei der Erstausbildung

Die IHK Niederbayern zieht eine ernüchternde Bilanz des Ausbildungsjahrs: 2025 gab es in den niederbayerischen Betrieben aus Industrie, Handel und Dienstleistungen genau 10.758 aktive Ausbildungsverhältnisse. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein leichter Rückgang von zwei Prozent. Sorge bereitet vor allem die Entwicklung bei den Neueintragungen – und damit die Zukunft der Ausbildung in Niederbayern. 2025 sind 3.938 junge Menschen neu in eine Ausbildung gestartet, acht Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Das markiert einen neuen Tiefstand, noch unter den schwachen Werten aus den Corona-Jahren. „Für die Betriebe bedeutet Berufsausbildung eine Investition in die Zukunft. Die sinkenden Ausbildungszahlen von heute verschärfen den Fachkräftemangel von morgen. Zieht die Konjunktur wieder an, können die Unternehmen diese Aufwärtsentwicklung nicht mitgehen, wenn dafür die richtigen Leute fehlen“, warnt IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner.

Deutliches Minus bei gewerblich-technischen Ausbildungsberufen

Im Bayernvergleich ist Niederbayern kein Ausreißer. Die Entwicklung der Ausbildungszahlen verläuft in anderen Regionen ähnlich. Ein wichtiger Unterschied liegt jedoch in der Struktur der niederbayerischen Wirtschaft mit ihrem Schwerpunkt auf der Industrie. Auch in den gewerblich-technischen Ausbildungsberufen verzeichnet die IHK aber ein deutliches Minus von 13 Prozent bei den Neueintragungen. Für den Wirtschaftsraum Niederbayern sind die rückläufigen Ausbildungszahlen daher eine besondere Herausforderung, erläutert Schreiner. Er verweist auf die Ergebnisse der IHK-Ausbildungsumfrage: Demnach kann über die Hälfte der niederbayerischen Ausbildungsbetriebe nicht alle ausgeschriebenen Stellen für Azubis besetzen. Als Hauptgrund dafür geben die Betriebe an, dass sie keine oder nur ungeeignete Bewerbungen für ihre Stellen erhalten.

Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen weiter hoch

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© www.pedagrafie.de IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner

„In der Ausbildung übersteigt das Angebot die Nachfrage bei Weitem. Die Zahlen sind kein Beleg für eine sinkende Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen, sondern sie sind die Folge eines massiven Bewerbermangels“, verdeutlicht der IHK-Chef. Die Unternehmen halten an der Ausbildung als wichtigstem Instrument der Fachkräftesicherung fest, versichert Schreiner. Und das aus gutem Grund: „In der Wirtschaft benötigen wir die richtigen Leute an der richtigen Stelle, und das sind eben zu einem ganz überwiegenden Teil die Kräfte aus der beruflichen Bildung. Wer einen Beruf erlernt hat, ist in Theorie und Praxis hervorragend ausgebildet, kennt die betrieblichen Abläufe aus erster Hand und ist im Unternehmen sofort einsetzbar. Gerade in der Krise brauchen die Unternehmen solche Macher“, bekräftigt Schreiner.

IHK-Hauptgeschäftsführer Schreiner: Berufliche Bildung muss gestärkt werden

Kritisch sieht der IHK-Hauptgeschäftsführer daher die Strategie einiger Hochschulen, mit immer mehr hochspezialisierten Abschlüssen sowie mit einem starken Fokus auf Studenten aus dem Ausland die Studierendenzahlen hochzuhalten. „Aus Sicht der Wirtschaft muss es das Ziel sein, für den Bedarf der Betriebe auszubilden. Alles andere gefährdet den Erhalt von Arbeitsplätzen und Unternehmen in unserer Region. Akademiker mit unklarer Nischenqualifikation oder Absolventen, die nach einem Studium in Deutschland ihre Karriere in den Heimatländern fortführen, stärken unseren Wirtschaftsstandort nicht“, betont Schreiner. Wichtig sei hingegen in Politik und Gesellschaft, in den Schulen sowie in den Elternhäusern die hohe Bedeutung der beruflichen Bildung für die regionale Wirtschaft zu verdeutlichen, die vielfältigen Möglichkeiten dieses Bildungswegs vorzustellen und die damit verbundenen Verdienst- und Karrierechancen besser zu vermitteln. „Daran arbeitet die IHK gemeinsam mit den Unternehmen, durch Information und Beratung, durch Berufsorientierung, durch Kampagnen und auch mit politischer Überzeugungsarbeit“, sagt Schreiner abschließend.